Brüder und Schwestern, guten Tag!
Wir setzen unseren Weg der Reflexion über die Kirche fort, so wie sie uns in der Konzilskonstitution Lumen gentium vorgestellt wird. Franziskus pflegte gerne zu sagen: »Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger« (Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 102).
In diesem Abschnitt des Dokuments geht es darum, das Wesen und die Sendung der Laien im positiven Sinne zu erläutern, nach Jahrhunderten, in denen sie bloß als diejenigen definiert worden waren, die nicht zum Klerus oder zu den Gottgeweihten gehören. Daher möchte ich mit euch noch einmal einen sehr schönen Abschnitt lesen, der die Größe des christlichen Lebens zum Ausdruck bringt: »Eines ist also das auserwählte Volk Gottes: ›Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe‹ (Eph 4,5); gemeinsam die Würde der Glieder aus ihrer Wiedergeburt in Christus, gemeinsam die Gnade der Kindschaft, gemeinsam die Berufung zur Vollkommenheit, eines ist das Heil, eine die Hoffnung und ungeteilt die Liebe« (LG 32).
Vor jeder Unterscheidung bezüglich des Dienstamtes oder des Lebensstandes betont das Konzil die Gleichheit aller Getauften. Die Konstitution will nicht, dass man vergisst, was bereits im Kapitel über das Volk Gottes gesagt wurde: dass dem Stande des messianischen Volkes die Würde und die Freiheit der Kinder Gottes eignet (vgl. LG 9).
Je größer das Geschenk, desto größer ist natürlich auch die Verpflichtung. Deshalb betont das Konzil zusammen mit der Würde auch die Sendung der Laien in der Kirche und in der Welt. Aber worauf gründet diese Sendung, und worin besteht sie? Das sagt uns die Beschreibung der Laien durch das Konzil: »Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden, […] die, durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Got-tes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben« (LG 31).
Das heilige Volk Gottes ist also nie eine formlose Masse, sondern der Leib Christi oder, wie der heilige Augustinus sagte, der »Christus totus«: Es ist die organisch strukturierte Gemeinschaft, kraft der fruchtbaren Beziehung zwischen den beiden Formen der Teilhabe am Pries-tertum Christi: dem gemeinsamen Priestertum der Gläubigen und dem Priestertum des Diens-tes (vgl. LG 10). Durch die Taufe haben die gläubigen Laien Anteil am Priestertum Christi. Denn »da der ewige Hohepriester Christus Jesus auch durch die Laien sein Zeugnis und seinen Dienst fortsetzen will, macht er sie durch seinen Geist lebendig und treibt sie unaufhörlich an zu jedem guten und vollkommenen Werk« (LG 34).
Wie sollte man in diesem Zusammenhang nicht den heiligen Johannes Paul II. und sein Apostolisches Schreiben Christifideles laici (30. Dezember 1988) in Erinnerung rufen? Darin unterstrich er: »Das Konzil hat wertvolle Passagen seiner so reichhaltigen theologischen, spirituellen und pastoralen Lehre dem Wesen, der Würde, der Spiritualität, der Sendung und der Verantwortung der Laien gewidmet. Und die Konzilsväter haben den Ruf Christi wiederholt und alle Laien, Männer und Frauen, gerufen, in seinem Weinberg zu arbeiten« (Nr. 2). Auf diese Weise hat mein verehrter Vorgänger das Laienapostolat neu belebt, dem das Konzil ein eigenes Dokument gewidmet hatte, über das wir später sprechen werden.(1)
Das weite Feld des Laienapostolats ist nicht auf den Raum der Kirche beschränkt, sondern erstreckt sich auf die ganze Welt. Denn die Kirche ist überall dort gegenwärtig, wo ihre Kinder das Evangelium bekennen und bezeugen: an den Arbeitsplätzen, in der Zivilgesellschaft und in allen zwischenmenschlichen Beziehungen, dort, wo sie durch ihre Entscheidungen die Schönheit des christlichen Lebens aufzeigen, das hier und jetzt die Gerechtigkeit und den Frieden vorwegnimmt, die im Reich Gottes ihre Vollendung finden werden. Die Welt soll »vom Geist Christi erfüllt werden und in Gerechtigkeit, Liebe und Frieden ihr Ziel wirksamer erreichen« (LG 36). Und das ist nur mit dem Beitrag, dem Dienst und dem Zeugnis der Laien möglich!
Es ist die Einladung, jene Kirche »im Aufbruch« zu sein, von der Papst Franziskus gesprochen hat: eine Kirche, die in der Geschichte konkrete Gestalt angenommen hat, immer offen für die Sendung, in der wir alle dazu berufen sind, missionarische Jünger zu sein, Apostel des Evangeliums, Zeugen des Reiches Gottes, Boten der Freude Christi, dem wir begegnet sind!
Brüder und Schwestern, möge das Osterfest, auf dessen Feier wir uns vorbereiten, in uns die Gnade erneuern, wie Maria von Magdala, wie Petrus und Johannes Zeugen des Auferstandenen zu sein!
Fußnote
1 Vgl. Zweites Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Dekret Apostolicam actuositatem (18. November 1965).
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Liebe Brüder und Schwestern deutscher Sprache, in der Karwoche betrachten wir die Passion des Herrn. Dabei wollen wir unsere Leiden und die der Welt mit seinem Kreuz vereinen, um mit ihm zur Osterfreude und zum ewigen Leben zu gelangen. Ich wünsche euch eine gute innere Teilnahme an den Heiligen Drei Tagen!
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