BEGEGNUNG MIT DEN JUGENDLICHEN DER DIÖZESE ROM
ANSPRACHE VON PAPST LEO XIV.
Audienzhalle
Samstag, 10. Januar 2026
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Vor Beginn der Begegnung sagte Papst Leo XIV. zu den Jugendlichen:
Wir begrüßen uns von hier aus. Ihr könnt mir über die Bildschirme folgen. Ich gehe von hier aus in die »Aula Paolo VI«. Ihr könnt ein wenig zuhören… Wie schön wäre es, wenn wir alle zusammen sein könnten, nicht nur über den Bildschirm, sondern persönlich, denn in der Begegnung fühlen wir uns wohl.
Und wir fühlen uns wohl, weil wir alle Brüder und Schwestern in Jesus Christus sind, der unser bester Freund ist. Danke, dass ihr hier seid! Ich sehe, dass ihr auch aus anderen Ländern gekommen seid. [Auf Spanisch sagte der Papst: ] Herzlich willkommen.
Gut, dann gehe ich weiter: danke! Versuchen wir gemeinsam, wirklich diesen Geist der Freundschaft, der Geschwisterlichkeit, des Zusammenseins zu leben, denn wir wissen: Wenn wir vereint sind, gibt es keine Schwierigkeit, die wir nicht überwinden können.
Alleinsein bedeutet oft zu leiden. Aber wenn wir mit Freunden beisammen sind, wenn wir mit der Familie beisammen sind, wenn wir mit denen beisammen sind, die uns lieben und uns gernhaben, können wir vorangehen. Habt immer diesen Mut! Und möge Jesus euch immer den Glauben schenken, die Fähigkeit zu sagen: »Ja, Herr, ich folge dir nach, ich bin mit dir unterwegs.« Und wir wissen, dass Jesus immer bei uns ist, immer mit uns unterwegs ist. Gott segne euch!
Dann richtete der Papst einen Gruß an die Jugendlichen, die sich im Petriano-Hof versammelt hatten:
Herzlich willkommen! Ihr Römer seid ja wirklich mutig, und ihr seid zahlreich erschienen! Danke, ich danke allen. Ich begrüße euch jetzt, dann könnt ihr über den Bildschirm folgen, und hoffentlich sehen wir uns, aber es ist immer besser, sich persönlich zu sehen und nicht nur auf den Bildschirmen. Ist das wahr?
Es ist sehr wichtig, dass wir versuchen, menschliche Beziehungen, gute Freundschaften und vor allem die Freundschaft mit Jesus aufzubauen. Beste Wünsche an alle. Wir sehen uns nachher.
In der vatikanischen Audienzhalle hielt Papst Leo XIV. dann folgende Ansprache:
Liebe Jugendliche, herzlich willkommen!
Ich begrüße auch alle, die draußen sind, in der Kälte, und die unserer Begegnung über die Bildschirme auf dem Petersplatz und draußen vor dem »Palazzo del Sant’Uffizio« verfolgen. Seid wirklich alle herzlich willkommen! Ich freue mich sehr, bei euch zu sein, diese Gelegenheit zu haben, gemeinsam mit euch nicht nur Antworten auf die Fragen, die wir gerade gehört haben, sondern auf viele Dinge im Leben zu finden. Heute Nachmittag, kurz bevor ich gekommen bin, habe ich eine Nachricht von meiner Nichte bekommen, ebenfalls eine junge Frau, die zu mir sagte: »Onkel, wie machst du das mit all den vielen Problemen der Welt, mit all den vielen Sorgen?« Und auch sie stellte die Frage: »Fühlst du dich nicht allein? Wie kannst du das alles bewältigen?« Und die Antwort seid großenteils ihr! Denn wir sind nicht allein!
Nachher werde ich euch kurz erzählen, was es bedeutet, beisammen zu sein und diesen Geist, diese Begeisterung, vor allem diesen Glauben auch in schwierigen Augenblicken zu leben, wenn wir uns allein fühlen, wenn wir nicht wissen, was wir tun sollen. Wenn wir uns an die Schönheit des Glaubens erinnern, an die Schönheit der Freude, jung zu sein, beisammen zu sein, gemeinsam auf der Suche zu sein, können wir wirklich in unserem Herzen wissen, dass wir nie allein sind, weil Jesus bei uns ist! Und ich möchte noch etwas erwähnen – Kardinal Baldo hat es uns schon gesagt: Wir haben wirklich große Trauer und großen Schmerz empfunden über jene 40 jungen Menschen in Crans-Montana, die ums Leben gekommen sind. Auch wir müssen uns daran erinnern, dass das Leben so kostbar ist, dass wir nie jene vergessen dürfen, die leiden. Leider müssen jene Familien, die immer noch Schmerz empfinden, jetzt sehen, wie sie den Schmerz überwinden können. Auch dazu ist unser Gebet, unsere Einheit wichtig: Bleiben wir immer vereint, als Freunde, als Geschwister!
Und einen ganz herzlichen Gruß an alle Priester und Ordensfrauen, die uns heute Nachmittag begleiten. Danke! Ich danke euch von Herzen!
Wie wir zu Anfang im Video gesehen haben, haben wir im Heiligen Jahr hier in Rom einen sehr starken Augenblick erlebt, mit vielen Tausenden eurer Altersgenossen aus allen Teilen der Welt. Menschen aller Sprachen und Kulturen haben sich im selben Gebet vereint, haben einen freudigen Lobpreis zu Gott erhoben und aus tiefstem Herzen um Frieden unter den Völkern gebeten. Jetzt, bei dieser Begegnung mit »eurem« Papst, erneuert ihr jungen Römer den Geist jener denkwürdigen Tage und bemüht euch, nicht nur Pilger der Hoffnung, sondern ihre Zeugen zu sein. Und wie kann man das wirklich sein?
Um eine Antwort anzubieten, gehe ich hier kurz auf die Worte von Matteo ein, der die Einsamkeit vieler junger Menschen hervorgehoben hat, ebenso wie die Gefühle von Enttäuschung, Verwirrung und Langeweile, die mit ihr einhergehen. Wenn dieses Grau die Farben des Lebens trübt, dann sehen wir, dass man auch inmitten vieler Menschen isoliert sein kann. Gerade so zeigt die Einsamkeit ihr schlimmstes Gesicht: Man wird nicht angehört, weil man im Lärm der Meinungen untergeht; man sieht nichts, weil man von bruchstückhaften Bildern geblendet ist. Ein Leben, das aus »Links« ohne Beziehung oder aus »Likes« ohne Zuneigung besteht, enttäuscht uns, weil wir für die Wahrheit gemacht sind: Wenn sie fehlt, leiden wir darunter. Wir sind für das Gute gemacht, aber die Masken des »Einweg-Vergnügens« üben Verrat an unserem Wunsch.
Dennoch können wir in diesen Augenblicken der Mutlosigkeit unsere Sensibilität schärfen. Wenn wir unsere Ohren und Augen öffnen, erinnert uns die Schöpfung daran, dass wir nicht allein sind: Die Welt besteht aus Bindungen zwischen allen Dingen, zwischen den Elementen und den Lebewesen. Dennoch ringen wir, auch wenn wir weiterhin die Luft atmen, die uns zur Verfügung steht, immer noch nach Luft; macht uns die Nahrung, auch wenn sie gut ist, nicht satt, wie viel wir auch davon essen, und das Wasser stillt nicht unseren Durst. Was die Natur uns zur Verfügung stellt, genügt uns nicht, denn wir sind nicht nur das, was wir essen, trinken und atmen. Wir sind einzigartig unter allen Geschöpfen, weil wir das Abbild Gottes in uns tragen, das eine Beziehung des Lebens, der Liebe und des Heils ist.
Wenn du dich also allein fühlst, dann erinnere dich daran, dass Gott uns niemals verlässt. Seine Gesellschaft wird zur Kraft, um den ersten Schritt auf den hin zu tun, der allein ist; dennoch ist er stets an deiner Seite. Jeder bleibt allein, wenn er nur auf sich selbst schaut. Auf den Nächsten zuzugehen, macht dich dagegen zum Abbild dessen, was Gott für dich ist. Wie er Hoffnung in dein Leben bringt, so kannst du sie mit dem anderen teilen. Ihr seid dann zusammen auf der Suche nach Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit. Und hier möchte ich auch betonen, wie schön die Aufnahme gewesen ist, die ihr als Kirche von Rom vielen jungen Menschen geschenkt habt, die während des Jubiläums aus der ganzen Welt gekommen sind. Es war wirklich großartig!
Aber oft herrscht Einsamkeit, und viele leiden darunter. Salvatore Quasimodo schrieb im Hinblick auf die Einsamkeit die berühmten Verse: »Ein jeder ist allein auf dem Herzen der Erde / von einem Sonnenstrahl durchbohrt: / und unversehens kommt der Abend.«1 Was wie ein auswegloses Schicksal erscheinen könnte, ist in Wirklichkeit für uns ein Weckruf: Die eine Erde erhält alle Menschen am Leben, und dieselbe Sonne erleuchtet alles. Der Strahl, der uns durchbohrt, also in die Öffnungen des Herzens eindringt, ist kein wiederkehrendes Licht, das aufgeht, um dann wieder unterzugehen, sondern die Sonne der Gerechtigkeit, die Sonne, die Christus ist! Er erwärmt unser Herr und entflammt es mit seiner Liebe.
Aus dieser Begegnung mit Jesus kommt die Kraft, das Leben zu ändern und die Gesellschaft zu verwandeln. Wie Francesca und Michela gesagt haben, erhellt das Licht des Evangeliums unsere Beziehungen: Durch tägliche Worte und Gesten verbreitet es sich und zieht einen jeden in seine Wärme hinein. Dann wird eine graue und anonyme Welt zum gastfreundlichen Ort, der menschenwürdig ist, gerade weil er von Gott bewohnt wird. Ich freue mich, dass ihr in euren Umfeldern echte Beziehungen erlebt: Was ihr in den römischen Pfarrgemeinden, im Oratorium und in den Verbänden lebt, könnt ihr nicht für euch behalten! Erwartet nicht, dass die Welt euch mit offenen Armen empfängt: Die Werbung, die etwas zum Konsumieren verkaufen soll, findet mehr Gehör als das Zeugnis, das aufrichtige Freundschaften aufbauen will. Handelt daher mit Frohsinn und Hartnäckigkeit, im Wissen, dass man, um die Gesellschaft zu verändern, vorher sich selbst verändern muss. Und ihr habt mir schon gezeigt, dass ihr in der Lage seid, euch selbst zu verändern und diese Freundschaftsbeziehungen aufzubauen. So können wir die Welt verändern, so können wir eine Welt des Friedens aufbauen!
Ihr habt mich gefragt, was ich mir für euch wünsche: In meinem Gebet bitte ich für jeden um ein gutes und wahres Leben, nach dem Willen Gottes. Kurz gesagt, ich erhoffe für alle ein heiliges Leben. Hier sage ich euch etwas: Ihr müsst wissen, dass das Wort »heilig« dieselbe Wurzel hat wie das Wort »heil« und dass wir, wenn wir wirklich heilig sein wollen, mit einem heilen Leben beginnen müssen und wir einander helfen müssen zu sehen, wie wir solche gewisse Dinge vermeiden können, wie leider Abhängigkeiten: viele Situationen, in denen die jungen Menschen leben. Wir sind Zeugnis; die wahren Freunde sind die, die zur Seite stehen, die wirklich ein heiles Leben anbieten können, damit wir alle heilig sind. Und das hängt auch von euch ab. Habt keine Angst, diese Verantwortung zu übernehmen. Nicht weniger wünsche ich euch, denn ich will euer Gutes: Wer mit Gott, dem Urheber und Retter des Lebens lebt, lebt wirklich. So können wir alle in diesem Leben heilig sein! Der Herr macht das Leben gut, nicht indem er uns abstrakte Ideale lehrt, sondern indem er das Leben für uns hingibt (vgl. Joh 10,11). Angesichts der Herausforderungen seiner Zeit sagte Clemente Rebora, ein weiterer Poet, der von diesem Geschenk fasziniert war: »Das ist die sichere Hoffnung: das Kreuz. / Ich habe den gefunden, der mich zuerst geliebt hat / Und der mich liebt und wäscht, im Feuerblut, / Jesus, den Allguten, die unendliche Liebe / die Liebe, die Liebe schenkt, / Die Liebe, die tief im Herzen lebt.«2 Den Lichtstrahl, der uns durchbohrt, sieht und spürt man! Es ist eine wahre Liebe, weil sie treu und ohne Eigennutz ist. Sie ist eine Liebe, die unser Herz kennt und es von der Angst befreit. Und der Friede ist die Frucht, die die Liebe Gottes in uns wachsen lässt: Wenn wir sie schmecken, können wir sie teilen durch den Einsatz für jene, die sich nicht geliebt fühlen, an die Geringen, die Aufmerksamkeit brauchen, an jene, die von uns eine Geste der Vergebung erwarten. Liebe Jugendliche, euer Einsatz in der Gesellschaft und in der Politik, in der Familie, in der Schule und in der Kirche möge vom Herzen ausgehen, und er wird fruchtbar sein. Er möge von Gott ausgehen, und er wird heilig sein.
Und ich möchte euch einladen, daran zu denken, was ich in der großen Vigil zu eurer Heilig-Jahr-Feier gesagt habe: »Die Freundschaft mit Christus, die am Anfang des Glaubens steht, ist nicht nur eine Hilfe unter vielen, um die Zukunft aufzubauen, sie ist unser Leitstern. […] Wenn unsere Freundschaften diese intensive Verbindung zu Jesus widerspiegeln, werden sie mit Sicherheit aufrichtig, großherzig und wahrhaftig.« Dann kann die Freundschaft »die Welt wirklich verändern. Die Freundschaft ist ein Weg zum Frieden« (Gebetsvigil mit den Jugendlichen , Tor Vergata, 2. August 2025). Und dieser Wunsch, den ich habe, entspricht den Worten von Franziskus, der zwei scheinbar widersprüchliche Ausdrücke nebeneinandergestellt hat, um die Enttäuschung und das Gefühl der Knechtschaft, die ihr manchmal verspürt, zu beschreiben. Er hat gesagt: »wir sind verloren« und »wir sind voller Dinge«. Das gibt gut die Situation derer wieder, die viel haben, aber nicht das Wesentliche: Ja, ein Herz voller Zerstreuungen findet nicht den Weg, aber wer es wünscht, beginnt bereits, sich von dem zu befreien, was ihn blockiert. Die Unzufriedenheit ist das Echo der Wahrheit: Sie darf uns nicht erschrecken, sondern sie zeigt uns, welche Leere dem Leben im Weg steht, indem sie es zum Werkzeug reduziert, das anderen Dingen dient.
Was könnt ihr »konkret tun, um diese Ketten zu zerbrechen«? Vor allem beten. Das ist der konkreteste Akt, den der Christ vollbringt, für das Wohl dessen, der an seiner Seite steht, für sein eigenes Wohl und das der ganzen Welt. Beten ist ein Akt der Freiheit, der die Ketten der Langeweile, des Stolzes und der Gleichgültigkeit zerbricht. Um die Welt zu entflammen, bedarf es eines glühenden Herzens! Und Gott ist es, der das Feuer entzündet, wenn wir beten, besonders dann, wenn wir ihn in der Eucharistie empfangen und anbeten, wenn wir ihm im Evangelium begegnen, wenn wir ihn in den Psalmen preisen. So macht er uns fähig, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein.
Nehmt auch den Gesang der größten Poetin, Maria, der Gottesmutter Maria, zum Vorbild. Sie hat gesungen: »Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter« (Lk 1,46-47). Man braucht Mut, um diese Freude zu bezeugen! Man braucht Leidenschaft, um zu lieben, wie der Herr uns geliebt hat, und genau das ist es, was uns »nicht länger zögern und wirklich leben lässt«, wie ihr gesagt habt. Es geht nicht darum, übermenschliche Anstrengungen zu unternehmen, und auch nicht darum, ab und zu irgendein Werk der Nächs-tenliebe zu tun: Es geht darum, als Männer und Frauen zu leben, die Christus im Herzen haben, auf ihn als Meister hören und ihm als Hirt nachfolgen.
Schauen wir auf die Heiligen: Wie frei sie sind! Gemeinsam mit ihnen gehen wir auf dem Weg voran, im Wissen, dass man das wahre Gut des Lebens weder mit Geld kaufen noch mit Waffen erobern kann. Aber man kann es schenken, ganz einfach, denn Gott schenkt es allen mit Liebe.
Ich danke euch allen, dass ihr gekommen seid! Und danke – ganz herzlichen Dank! – dafür, dass ihr gemeinsam mit mir unsere Kirche von Rom liebt! Die Kirche von Rom ist lebendig! Und jetzt segne ich euch alle, eure Angehörigen und eure Freunde. Danke!
Auf Wiedersehen und einen guten Weg!
Fußnoten
1 S. Quasimodo, Ed è subito sera , Mailand 2016.
2 C. Rebora, Le poesie , Mailand 1994.
(Orig. ital. in O.R. 12.1.2026)
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