BOTSCHAFT DES HEILIGEN VATERS LEO XIV.
ZUM XII. INTERNATIONALEN TAG DES GEBETS
UND DER REFLEXION GEGEN DEN MENSCHENHANDEL
[8. Februar 2026]
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Frieden beginnt mit Würde:
Ein weltweiter Aufruf zur Beendigung des Menschenhandels
Liebe Brüder und Schwestern,
anlässlich des 12. Weltgebetstags gegen den Menschenhandel, der für dieses Thema auch ein Bewusstsein schaffen möchte, erneuere ich nachdrücklich den dringenden Aufruf der Kirche, dieses schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bekämpfen und zu beenden.
Insbesondere möchte ich in diesem Jahr an den Gruß des auferstandenen Herrn erinnern: »Der Friede sei mit euch« (Joh 20,19). Diese Worte sind mehr als eine Grußformel: sie eröffnen einen Weg zu einer erneuerten Menschheit. Wahrer Friede beginnt mit der Anerkennung und dem Schutz der von Gott gegebenen Würde eines jeden Menschen. Doch in einer Zeit, die durch eskalierende Gewalt geprägt ist, sind viele versucht, den Frieden »mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft« zu suchen (Ansprache für die Mitglieder des beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps, 9. Januar 2026). Darüber hinaus wird in Konfliktsituationen der Verlust von Menschenleben von Kriegsbefürwortern zu oft als „Kollateralschaden“ abgetan und bei der Verfolgung politischer oder wirtschaftlicher Interessen in Kauf genommen.
Leider befeuert dieselbe Logik der Unterdrückung und Missachtung menschlichen Lebens auch das Übel des Menschenhandels. Geopolitische Instabilität und bewaffnete Konflikte schaffen für Menschenhändler einen fruchtbaren Boden zur Ausbeutung der Schwächsten, insbesondere von Vertriebenen, Migranten und Flüchtlingen. Innerhalb dieses fatalen Paradigmas sind Frauen und Kinder am stärksten von diesem abscheulichen Handel betroffen. Darüber hinaus zwingt die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich viele Menschen in prekäre Lebensumstände, wodurch sie für die trügerischen Versprechungen von Anwerbern empfänglich werden.
Dieses Phänomen ist angesichts der Zunahme der sogenannten „Cyber-Sklaverei“ besonders beunruhigend, bei der Einzelpersonen in betrügerische Machenschaften und kriminelle Aktivitäten wie Online-Betrug und Drogenschmuggel verwickelt werden. In solchen Fällen wird das Opfer gezwungen, die Rolle des Täters zu übernehmen, was seine seelischen Wunden noch verschlimmert. Diese Formen der Gewalt sind keine Einzelfälle, sondern Symptome einer Kultur, die vergessen hat, so zu lieben, wie Christus liebt.
Angesichts dieser gravierenden Herausforderungen gehen wir den Weg des Gebets und der Bewusstseinsbildung. Das Gebet ist die „kleine Flamme“, die wir inmitten des Sturms bewahren müssen, da es uns die Kraft gibt, angesichts der Ungerechtigkeit nicht gleichgültig zu werden. Die Bewusstseinsbildung ermöglicht es uns, die versteckten Mechanismen der Ausbeutung in unserer Nachbarschaft und im digitalen Raum zu erkennen. Letztendlich kann die Gewalt des Menschenhandels nur durch eine neue Sichtweise überwunden werden, die jeden Menschen als geliebtes Kind Gottes betrachtet.
Mein tief empfundener Dank gilt allen, die sich als Hände Christi für die Opfer des Menschenhandels einsetzen, darunter auch internationale Netzwerke und Organisationen. Ich möchte auch den Überlebenden meine Anerkennung aussprechen, die sich für andere Opfer engagieren. Möge der Herr sie für ihren Mut, ihre Treue und ihren unermüdlichen Einsatz segnen.
Mit diesen Gedanken vertraue ich alle, die diesen Tag begehen, der Fürsprache der heiligen Josefine Bakhita an, deren Leben ein eindrucksvolles Zeugnis der Hoffnung auf den Herrn ist, der sie bis zum Ende geliebt hat (vgl. Joh 13,1). Machen wir uns also alle auf den Weg hin zu einer Welt, in der Friede nicht bloß Abwesenheit von Krieg bedeutet, sondern wo er »unbewaffnet und entwaffnend« ist und auf der uneingeschränkten Achtung der Würde aller Menschen beruht.
Aus dem Vatikan, 29. Januar 2026
LEO PP. XIV
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