BOTSCHAFT ZUM LXXXVIII. WELTTAG DER MIGRANTEN UND FLÜCHTLINGE (2002) Migration und interreligiöser Dialog ...3. »Migrationen und interreligiöser Dialog« lautet das Thema, das für den Welttag der Migranten und Flüchtlinge 2002 gewählt wurde. Ich bitte den Herrn, daß dieser jährliche Gedenktag allen Christen die Gelegenheit gibt, diese höchst aktuellen Aspekte der Neuevangelisierung zu vertiefen und alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um in den Pfarrgemeinden entsprechende apostolische und pastorale Initiativen zu entwickeln. ... 4. In vielen Teilen der Welt wenden sich täglich Migranten, Flüchtlinge und Vertriebene an katholische Pfarreien und Vereinigungen und suchen Hilfe. Dabei werden sie ohne Rücksicht auf ihre kulturelle und religiöse Zugehörigkeit aufgenommen. Der Liebesdienst, zu dessen Erfüllung die Christen immer berufen sind, darf sich nicht auf die reine Verteilung von humanitären Hilfsleistungen beschänken. Denn es ergeben sich neue pastorale Situationen, die die kirchliche Gemeinschaft berücksichtigen muß. Ihren Mitgliedern obliegt es, eine passende Gelegenheit zu finden, bei der sie mit all jenen, denen sie Aufnahme gewähren, das Geschenk der Offenbarung Gottes teilen, der die Liebe ist und »die Welt so sehr geliebt hat, daß er seinen eingeborenen Sohn hingegeben hat« (Joh 3, 6). Mit dem materiellen Brot darf notwendigerweise das Angebot des Geschenkes des Glaubens nicht vernachlässigt werden, besonders durch das eigene Lebenszeugnis und durch eine Haltung tiefen Respekts vor allen Menschen. Die Aufnahme und gegenseitige Offenheit füreinander ermöglichen es, einander besser kennenzulernen und zu entdecken, daß die verschiedenen religiösen Traditionen nicht selten wertvolle Samen der Wahrheit enthalten. Der daraus entstehende Dialog kann jeden Menschen mit einem wachen Sinn für die Wahrheit und das Gute erfüllen. Auf diese Weise könnte wenn der interreligiöse Dialog eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist das Phänomen der Migration seine Entfaltung begünstigen. Dieser Dialog kann natürlich »nicht auf den religiösen Indifferentismus gegründet sein«, wie ich im Apostolischen Schreiben Novo millennio ineunte (Nr. 56) betont habe. ... Aus Castel Gandolfo,am25. Juli 2001 |